Das Hamburger Abendblatt hat über unsere Hafenrundfahrt XXL am 30./31. Juli 2011 wie folgt berichtet:

„Willkommen in der neusten und sichersten Barkasse im Hamburger Hafen“,  sagt Jürgen Behnecke, 58.  Das klingt bei Ihm nicht marktschreierisch, sondern so, als würde er vom Wetter sprechen. Sein halbes Leben schon schippert er auf der Elbe herum, er erkennt alles. Und tatsächlich ist die „HANSEAT“ ziemlich modern: Wenn es draußen ungemütlich ist, sitzt man drinnen und hört statt knitterigem Motor klar und deutlich, was Kapitän Behnecke erzählt. Das tut er ununterbrochen, zwei Stunden lang. Er räuspert sich nicht, er liest nicht ab, er monologisiert. Mit einer Hand hält er das Steuerrad, mit der anderen das Mikrofon. Und die Gäste lauschen ergriffen. Bestaunen die Landungsbrücken und die Rickmer Rickmers, dann die Cap San Diego, über der schon die Elbphilharmonie  blitzt.
„Die Hamburger haben so viel Geld, die wissen gar nicht wohin damit. Deswegen bauen Sie seit Jahren an der Elbphilharmonie. Falls Sie einmal fertig werden sollte, gehört Sie zu den zehn besten Konzerthäuern der Welt. Das die Kosten explodieren, spielt keine Rolle, das wird ein Wahrzeichen wie die Oper in Sydney.“ Und dann merkt man, wer an Bord Hamburger ist. Die anderen fotografieren. Auch der Michel kommt aufs Bild. Und sogar der Grasbrook, auf dem es nicht viel zu sehen gibt. Aber die Geschichte vom Störtebeker, der hier 1401 ohne Kopf noch an elf seiner Männer vorbeilief, ist so schön gruselig, da spielt der Wahrheitsgehalt keine Rolle.

Das etliche Schädel mit Loch gefunden wurden, ist hingegen keine Mär. Etwa 1700 Piraten wurden hier geköpft und ihre Häupter zur Abschreckung aufgespießt.


Der Ring um die Katharinenkirche soll übrigens aus Störtebekers Beute gefertigt worden sein. Stimmt aber wahrscheinlich genauso wenig wie die Geschichte von der Jungfernbrücke, die einst leuchtete, wenn eine Jungfer darüberschritt. Jürgen Behnecke weiß zu allem etwas zu berichten, erklärt die Gezeiten und die Speicherstadt, in der er an der schönsten Stelle einmal im Kreis dreht. „Das mache ich nicht nur für die Passagiere, das mache ich auch für mich. Dieser Blick ist grandios.“

Von seiner Barkasse aus wird Hamburg zum Miniatur- wunderland. Alles erscheint zum Greifen nah, alles pittoresk – eine Sehenswürdigkeit reiht sich an die nächste, es scheint, als könne man zum Michel springen oder auf die „Queen Elizabeth II“ die majestätisch wirkt, solange die „Queen Mary“ nicht da ist. Und Herr Behnecke könnte wohl den ganzen Tag herumschippern und wüsste immer noch etwas Neues zu erzählen. Ob die Fahrgäste nachher noch wissen, dass „Bugsier 5“ mit 80 Tonnen Zugkraft der stärkste Schlepper ist, ist fraglich. Aber das Hamburg mehr Brücken hat als Venedig, London und Amsterdam zusammen und die größte Rolltreppe Europas (im Kaispeicher), bleibt hängen. Und auch, dass das Gruner + Jahr-Verlagsgebäude von einem Münchner entworfen wurde, der sich mit Schiffen nicht so auskennt. Auf die Frage, was sie für typisch hamburgisch halten, antwortet die Reisegruppe aus Gladbach: „Hamburger strunzen nicht.“ Das ist rheinländisch. Und bedeutet so viel wie: „Hamburger sind keine Angeber.“ Die zählen Superlative zu beiläufig auf wie Zutaten für Labskaus. Dabei brüsten wir uns sehr wohl mit unserer Stadt. Anscheinend aber sehr geschickt.

Quelle: Hamburger Abendblatt 30./31. Juli 2011

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